Was, wenn Antisemitismus versteckt kommt – verpackt in Beats, Fangesänge und Memes?

Antisemitismus ist ein Phänomen, das sich nicht nur in offenen Anfeindungen zeigt. Oft wird er nicht erkannt, stattdessen weiterverbreitet oder als harmlos abgetan. Mit unserem Projekt Klang der Begegnung – Jüdischsein in Sachsen knüpfen wir an die Erfahrungen aus unserem Projekt Klang der Vorurteile – Antisemitismus in der Popmusik an.

Wir nutzen Popkultur als emotionalen Begegnungsort, um junge Menschen und pädagogische Fachkräfte für aktuelle Erscheinungsformen von Antisemitismus zu sensibilisieren. Dabei stehen die Erfahrungen, Perspektiven und Lebensrealitäten jüdischer Menschen in Sachsen im Zentrum.

Popkultur als Zugang

Jugendliche sind in der Phase der Identitätsbildung besonders ansprechbar und zugleich anfällig für antisemitische Narrative, insbesondere in sozialen Medien und popkulturellen Kontexten. Unser Projekt holt sie in ihren Lebenswelt ab: Gemeinsam analysieren wir antisemitische Codes in Popmusik, Social Media und Fußball, stärken ihre Medienkompetenz und fördern kritisches Denken.

In Workshops, außerschulischen Veranstaltungen und mit digitalen Toolkits lernen Jugendliche und pädagogische Fachkräfte, bestimmte Mechanismen zu erkennen, kritisch einzuordnen und darüber ins Gespräch zu kommen. Dabei stehen Neugier, Reflexion und Perspektivwechsel im Vordergrund.

Antisemitische Vorfälle in Sachsen

 

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Sachsen dokumentierte im Jahr 2024 insgesamt 349 antisemitische Vorfälle – ein Anstieg um über 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit ereignete sich im Durchschnitt nahezu täglich ein antisemitischer Vorfall im Freistaat.

Besonders alarmierend ist der deutliche Anstieg antisemitischer Übergriffe im schulischen Umfeld: Beleidigungen, Bedrohungen und gewaltvolle Handlungen gegenüber Schüler:innen machen sichtbar, dass Bildungseinrichtungen nicht nur Lernorte, sondern auch Orte antisemitischer Erfahrungen sind. RIAS weist zudem auf ein hohes Dunkelfeld hin.

Videoporträts: Jüdische Stimmen aus Sachsen

Im Zentrum des Projekts stehen jüdische Menschen aus Sachsen und ihre Geschichten.

In unseren Videoporträts begleiten wir unterschiedliche Lebenswege, Erfahrungen und Perspektiven. Die Gesprächspartner:innen berichten von ihrem Alltag, ihren Bezügen zu Sachsen, ihren Erfahrungen mit jüdischem Leben heute sowie von Begegnungen mit Antisemitismus. Darüber hinaus entstehen Dialogformate, in denen die Beteiligten miteinander und mit Expert:innen ins Gespräch kommen.

Die Porträts zeigen die Vielfalt jüdischen Lebens jenseits von Klischees und schaffen persönliche Zugänge zu Themen, die häufig abstrakt verhandelt werden. Sie bilden zugleich die Grundlage für unsere Bildungsmaterialien, Workshops und die weitere Projektarbeit.

Die Videos sind aktuell in der Entstehung und in Kürze hier verfügbar.

Unsere Workshops für Jugendliche

Unsere kostenfreien Workshops ab 2027 richten sich an Schüler:innen ab der 9. Klasse an Schulen und außerschulischen Lernorten in Sachsen.

Die Workshops verbinden Begegnung, Wissensvermittlung und Handlungsorientierung. Gemeinsam beschäftigen wir uns mit der Frage, wie Antisemitismus heute funktioniert, welche Rolle Popkultur und digitale Medien dabei spielen und wie demokratische Gegenpositionen gestärkt werden können.

Du möchtest für 2027 einen Workshop an deine Schule oder Einrichtung holen?
Dann schreib uns an schule@germandream.de.

  • Ziele des Workshops

    Antisemitismus erkennen

    Jugendliche lernen, antisemitische Codes, Narrative und Botschaften in Musik, sozialen Medien und Fußball zu erkennen und kritisch einzuordnen.

    Haltung entwickeln

    Der Workshop stärkt junge Menschen darin, Position gegen Antisemitismus und Ausgrenzung zu beziehen und sich für ein respektvolles Miteinander einzusetzen.

    Demokratie gestalten

    Wir fördern die Auseinandersetzung mit demokratischen Werten und stärken die Bereitschaft, Verantwortung für ein solidarisches Zusammenleben zu übernehmen.

    Medienkompetenz stärken

    Die Teilnehmenden reflektieren Inhalte aus Popkultur und digitalen Räumen kritisch und erweitern ihr Wissen über historische und aktuelle Formen von Antisemitismus.

    Zusammenhalt fördern

    Begegnung, Perspektivwechsel und gemeinsames Lernen stärken Empathie, Solidarität und den Mut, füreinander einzustehen.

  • Der Workshop auf einen Blick

    Was?

    Workshop zu Antisemitismus in Popmusik, Social Media und Fußball

    Wo?

    Vor Ort an Sächsischen Schulen

    Wie lang?

    Ca. 90 Minuten

    Für wen?

    Schüler:innen ab der 9. Klasse (alle Schultypen und außerschulische Veranstaltungen, bis 30 Teilnehmende)

    Wie?

    Persönlicher Austausch, interaktive Übungen und digitales Toolkit zur Vertiefung

Workshops für pädagogische Fachkräfte

Pädagogische Fachkräfte werden in analogen und digitalen Workshops über aktuelle Erscheinungsformen von Antisemitismus in der Popkultur aufgeklärt. Ziel ist es dabei, gemeinsam zu erarbeiten, wie Betroffene von antisemitischen Vorfällen unterstützt werden können – in der akuten Situation und darüber hinaus. Die Workshops geben Raum für Unsicherheiten, fördern die Stärkung von Zivilcourage im Alltag und tragen so zu einer demokratischen Schulkultur bei.

 

Du möchtest dich oder dein Team ab 2027 für einen Workshop anmelden?
Dann schreib uns an schule@germandream.de.

Digitale Toolkits

Zur Vertiefung unserer Workshops entwickeln wir digitale Toolkits für Jugendliche und für pädagogische Fachkräfte.

Die Materialien bündeln Erkenntnisse aus dem Projekt und enthalten unter anderem:

  • Videoporträts jüdischer Menschen aus Sachsen
  • Hintergrundwissen und Glossare
  • Unterrichtsimpulse und Methoden
  • Praxisbeispiele aus der Bildungsarbeit
  • Reflexions- und Diskussionsfragen
  • Übungen zu Zivilcourage und solidarischem Handeln

Die Veröffentlichung der Toolkits ist für Ende 2026 geplant.


Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.