Unsere Entstehung Unsere Gründerin Düzen Tekkal im Interview!

Düzen, was hat dich dazu bewegt, im Juni 2019 GermanDream zu gründen? Kannst du dich an ein besonderes Ereignis erinnern, dass den Initialschuss gab?

Der Grund war tatsächlich ein sehr persönlicher, weil ich mich selbst als einen gelebten GermanDream verstehe. Ich habe mir die Diskussionslandschaft angeschaut und sehr oft war es so, dass Chancengerechtigkeit, Bildungsaufstieg und Einwanderungsgesellschaft beziehungsweise Migration immer nur negativ konnotiert waren. Mir hat der Ansatz gefehlt, der auch einen Raum in meinem Herzen eingenommen hat: Deutschland als ein Land der Chancen! GermanDream ist eine Antwort von vielen auf eine Einwanderungsgesellschaft und gegen Rassismus, gegen Ismen, gegen Feindbilder. Es geht am Ende um Identität, es geht um Zugehörigkeit, darum gesehen zu werden, um Wertschätzung. Das waren all die Gedanken, die mich dazu bewogen haben. Denn diese Initiative, dieser Raum, dieses Abgeholt werden hat mir als Kind von kurdisch-jesidischen Migrant:innen gefehlt. Also habe ich mir gedacht: Dann gründen wir eben selbst!

Was ziehst du daraus, die Unterstützung deiner Schwestern zu haben und mit ihnen gegründet zu haben?

Dass meine Schwestern Tuna, Tezcan, Tuğba und Tülin bei der Gründung der Initiative dabei waren, ist kein Zufall, sondern hat etwas mit der Grundidee von GermanDream zu tun, dass jede:r gemäß individueller Fähigkeiten einen Platz finden soll, dass wir eine Grassroot-Bewegung sind und alle Beispiele für den German Dream verkörpern. Meine Schwester Tuğba hat Schule nicht als einen Ort der Freiheit und Akzeptanz erlebt, sondern auch Diskriminierungserfahrungen dort gemacht. Sie war keine gute Schülerin und hat dadurch keine Wertschätzung generiert. Für Tuğba war der Ort der Befreiung der Fußballplatz. Mir ist wichtig, dass wir zeigen, dass Schule mehr ist als ein Bildungsraum, sondern ein Lebensraum. Es gibt bestimmte Skills, die in unserem starren Bildungssystem noch nicht verankert sind. Es war von Anfang an klar, dass die Antwort auf Deutschland als ein Land der Chancen nur von uns gemeinsam bewältigt werden kann. Ich bin sehr dankbar, dass wir einer gemeinsamen Vision folgen.

Was hast du bisher mit GermanDream erlebt?

Es ist erstaunlich, wie oft ich mich dabei erwische, dass ich mich selbst kneifen muss, weil ich während der Entwicklung von GermanDream immer wieder selbst GermanDream-Momente erlebe. Allein die Tatsache, dass es Menschen da draußen gibt, die so sehr an uns glauben, dass sie diese Idee ehrenamtlich oder finanziell unterstützen. Ohne diese Unterstützung, könnten wir keine Ideen umsetzen. Die Anschubfinanzierung durch Ralph Dommersmuth war ein GermanDream-Moment at it’s best: Dass ich es geschafft hatte aus einfachen Verhältnissen jemanden wie ihn, der so aktiv ist im Bereich ehrenamtliche Arbeit und so viel gesehen hat, zu überzeugen von meiner Idee. Diesen Moment werde ich niemals vergessen. Es gibt unzählige GermanDreamSpirit-Momente, in denen ich daran erinnert werde, dass es funktioniert.

Wo siehst du GermanDream in Zukunft? Welche Wünsche und Träume willst du mit GermanDream verwirklichen?

Ich wünsche mir, dass in jeder Klasse mal ein Wertedialog stattgefunden hat. Ich wünsche mir, dass sich junge Menschen in dieser Gesellschaft als GermanDreamer:innen begreifen. Ich wünsche mir GermanDream als Schulfach. Ich habe mit großem Stolz vernommen, dass es schon Parteien gibt, die in ihren Parteiprogrammen vom GermanDream-Vorschuss sprechen und damit Kinder mit Zuwanderungsgeschichte meinen. Das nennt sich Wirksamkeit! Und das in die Breite der Gesellschaft zu tragen und etwas im Leben Anderer zu verändern mit diesem GermanDream-Spirit, mit den Wertedialogen. Ich wünsche mir das Recht auf Träumen und Glück als Artikel im Grundgesetz. Ich wünsche mir so viel!

Last but not least: Beschreibe uns deinen ganz persönlichen GermanDream.

Mein persönlicher GermanDream ist es, in die Freiheit zu kommen und diese für andere teilbar zu machen. Um mich geht es nicht mehr, meinen GermanDream habe ich mir schon längst erfüllt. Jetzt sind die anderen dran. Das ist meine Definition von GermanDream: Dass jede:r von uns, der will und der hier ist, Teil dieser Gesellschaft ist, unabhängig davon, welche Wurzeln er hat, welche Religion er hat, wen er liebt, welchen Geschlechts er ist. Dass jedes Kind da draußen die Möglichkeit hat nach den Sternen zu greifen, unabhängig davon, aus welchem Elternhaus es kommt. Dabei darf weder Rassismus noch Klassismus noch sonst irgendetwas eine Rolle spielen. Das ist das, was der GermanDream verspricht und dieses Versprechen muss definitiv eingelöst werden und wir sind auf dem besten Weg.

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