18. Juli 2026

Mit WerteGang gegen Gewalt an Schulen

Aktuelle Gewaltstudie bestätigt Handlungsbedarf

Projekt „WerteGang” stärkt Berliner Schulen bei Prävention, Konfliktlösung und Wertebildung

Berlin, 6. Juli 2026 – Eine Studie zu Konflikt, Repression und Konformitätsdruck an 450 Berliner Schulen sorgt für Aufmerksamkeit. Mit dem „Konflikt- und Gewaltbarometer” untersucht Berlin als erstes Bundesland die Gewaltsituationen an den eigenen Schulen und belegt damit wissenschaftlich die Notwendigkeit zu handeln.

Das große Problem der Gewalt

Die Ergebnisse sind besorgniserregend. Mehr als die Hälfte der Lehrkräfte bewerten Gewalt und Konflikte an der eigenen Schule als sehr großes oder großes Problem. 80 % berichten, dass Konflikte an Schulen heute schneller eskalieren als noch vor ein paar Jahren. Eine geringere Frustrationstoleranz und Impulskontrolle sorgen dafür, dass oftmals „Kleinigkeiten” bereits Gewaltauslöser darstellen würden, so die Wissenschaftler:innen in der Pressekonferenz.

Sogar an Grundschulen ist das Problem bereits deutlich wahrzunehmen. Laut der Befragung ihrer Beschäftigten wird Gewalt an jeder vierten Grundschule als ein „sehr großes Problem“ wahrgenommen. Weitere 46 Prozent sehen ein „großes Problem“. Die Sekundarstufen ohne gymnasiale Oberstufe stehen danach an zweiter Stelle.

Obwohl 90 % der Neuntklässler:innen angaben, sie hätten im vergangenen Jahr Gewalt in der Schule erlebt, ist eine Normalisierung von Gewalt zu verzeichnen. Gewaltförmige Interaktionen wie Anschreien, Schubsen oder Auslachen werden von den meisten Schüler:innen der Jahrgangsstufen 9 und 12 als weitgehend unproblematisch angesehen.

Außerdem empfinden die Schüler:innen einen erhöhten Anpassungsdruck. Sie spüren vor allem Druck hinsichtlich politischer Meinungen, Geschlechterrollen, sexueller Orientierung und religiösen Regeln zu befolgen.

Ein Warnsignal sowohl für Berlin als auch für Deutschland

Bildungssenatorin Katharina Günter-Wünsch bezeichnet die Ergebnisse als „deutliches Warnsignal”. Sie betont die Notwendigkeit, die Herausforderungen an Berliner Schulen ernst zu nehmen und dort gezielt zu unterstützen, wo der Bedarf am größten ist. Dass die Problematik nicht nur ein Hauptstadtphänomen sei, ist ihr aber wichtig während der Pressekonferenz einzuordnen.

Die Studie zeigt unverkennbar: Gewaltprävention muss früh ansetzen. Sie muss Respekt fördern, den Zusammenhalt stärken und die Fähigkeit schulen, Konflikte konstruktiv zu lösen, bevor sie eskalieren. Gemeinsam mit dem Berliner Senat für Bildung, Jugend und Familie setzen wir uns genau dafür ein.

Projekt WerteGang als klare Maßnahme

Mit unserem Projekt WerteGang. Damit Gewalt keine Schule macht” bieten wir einen klaren Lösungsansatz für Gewaltprävention an Berliner Schulen. Gemeinsam mit Schüler:innen, Lehrkräften und Wertebotschafter:innen stärken wir Dialog und ein respektvolles Miteinander.

Unser Projekt setzt sich aus drei Säulen zusammen:

  • Die Ausbildung von Wertelots:innen
    Das sind engagierte Schüler:innen, die gemeinsam konkrete Werteprojekte für ein respektvolles Schulklima erarbeiten und diese in ihre Schulen tragen.
  • Die Qualifizierung für Lehrkräfte
    Hier schulen wir Konfliktkompetenz, stärken demokratische Schulkulturen und sensibilisieren die Lehrkräfte dafür, wie Wertevermittlung im Unterricht gewaltpräventiv wirkt.
  • Die Wertedialoge mit unseren Wertebotschafter:innen
    Wertebotschafter:innen sind ehrenamtlich Engagierte aus der Zivilgesellschaft, die ihre Biografie oder Lebenserfahrungen in moderierten Dialogen mit Schulklassen teilen. Hier kreieren wir für Schüler:innen einen geschützten Raum für Austausch, Perspektivenwechsel und Reflexion auf Augenhöhe.

Erfolgreiche erste Einsätze an Schulen

Im November letzten Jahres markierte unser Projekt in der Friedrich-Bergius-Schule den Projektstart. Drei weitere Schulen stärkten wir seitdem mit unserem Projekt in der Gewaltprävention. Die ausgebildeten Wertelots:innen aus drei Reinickendorfer Schulen tragen nun ihr gesammeltes Wissen über Gewalt und Konflikt und die erlebten Erfahrungen zu Werten und Kommunikation an ihre Schulen. Auch die Lehrkräfte und Referendar:innen können nun Wertevermittlung und ihren gestärkten Umgang mit Konflikten gezielt in ihren Schulalltag einbinden. Weitere Wertelots:innen-Ausbildungen und Lehrkräfte-Qualifizierungen sind bereits geplant.

Das Gewalt- und Konfliktbarometer bestätigt die Notwendigkeit einer Lösung, an der wir schon lange arbeiten. Deshalb setzen wir unsere Arbeit für starke Gewaltprävention und ein respektvolles Miteinander an Berliner Schulen mit noch mehr Nachdruck fort. Denn wie Tezcan Tekkal, die Geschäftsführerin von GermanDream, sagt: „Wir müssen unsere Schulen wieder zu dem machen, was sie eigentlich sein sollten: ein Ort für Weiterentwicklung und Gemeinschaft.”

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