Navigation durch Wertekonflikte am Arbeitsplatz
Im Rahmen unseres dritten GermanDream Jams auf dem Kommunikationskongress der Quadriga entstand eine lebhafte Diskussion über Wertekonflikte am Arbeitsplatz. Sie zeigte deutlich: Gesellschaftliche Spannungen, politische Debatten und Generationsfragen machen nicht vor Unternehmen halt – sie prägen Teams, Kommunikationskulturen und Führung.
Unsere zentrale Erkenntnis: Wertekonflikte sind kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck einer vielfältigen, lebendigen Arbeitskultur. Entscheidend ist, sie sichtbar zu machen, anzusprechen und gemeinsam Lösungen zu finden. Ziel ist nicht Einigkeit, sondern Verständnis: Wertschätzung unterschiedlicher Perspektiven fördert Zusammenarbeit und Innovation.
Was dieses Playbook bietet
Dieses Playbook lädt zur Reflexion ein: Wie gehen wir mit Meinungsverschiedenheiten im Job um? Welche Rolle spielen gemeinsame Werte – und wie lassen sie sich gestalten, ohne Vielfalt einzuschränken? Du findest hier Denkanstöße, Impulse und Praxisbeispiele, die dazu motivieren, Wertekonflikte als Chance für eine starke, zukunftsfähige Arbeitskultur zu nutzen.
Was ist ein Wertekonflikt und warum nehmen diese zu?
Unsere Arbeitswelt ist kein isolierter Raum – sie spiegelt gesellschaftliche Dynamiken, Konflikte und Werteverschiebungen wider. Wertekonflikte entstehen, wenn unterschiedliche Überzeugungen, Erwartungen oder Lebensrealitäten am Arbeitsplatz aufeinandertreffen – etwa zwischen Generationen, familiären Hintergründen oder individuellen Haltungen. Soziale Medien verstärken diese Dynamik, indem sie Meinungen sichtbarer und oft polarisierender machen. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für ethische, ökologische und gesellschaftliche Verantwortung. Das führt dazu, dass Fragen nach Haltung, Sinn und gemeinsamen Werten immer häufiger auch im beruflichen Kontext verhandelt werden und dass Organisationen lernen müssen, mit diesen Spannungen konstruktiv umzugehen.
Perspektiven aus der Arbeitswelt

- Simon Usifo
Simon wurde in Bonn geboren, als Sohn eines nigerianischen Vaters und einer französischen Mutter. Er wuchs im Rheinland auf und studierte in Köln Medienwirtschaft. Seit 2024: CEO der Deutschland-Geschäftsführung der internationalen Kreativ- und Werbeagentur BBDO in Düsseldorf. Außerdem ist Simon Co-Herausgeber und Autor des Antirassismus-Buches und SPIEGEL-Bestsellers „People of Deutschland“. Er ist zudem auch als Wertebotschafter für unsere Bildungsbewegung im Einsatz.
Zahlreiche Teilnehmende aus Kommunikationsabteilungen teilten beim GermanDream Jam ihre Erfahrungen und zeigten, wie stark gesellschaftliche Entwicklungen inzwischen die interne und externe Kommunikation prägen. Viele berichteten, dass Polarisierung, zunehmende Emotionalität und der Wunsch nach Orientierung den Arbeitsalltag verändern und gleichzeitig neue Chancen eröffnen.
Trotz dieser Spannungsfelder entstehen innovative Ansätze, um Dialogräume zu schaffen und Haltung im Unternehmen zu fördern. Genannt wurden etwa regelmäßige Mitarbeitendenforen, in denen offen über gesellschaftliche Themen gesprochen wird, wertschätzende Feedbackformate, die konstruktiven Austausch fördern, sowie gemeinsam erarbeitete Werte-Statements, die Orientierung geben und Identifikation stärken.
Besonders eindrucksvoll war der Beitrag von Simon Usifo, der schilderte, wie Unternehmen den Spagat zwischen wirtschaftlichem Druck, gesellschaftlicher Verantwortung und vielfältigen Teamrealitäten meistern können. Sein Beispiel machte deutlich: Glaubwürdige Kommunikation entsteht dort, wo Führungskräfte zuhören, Widersprüche aushalten und Empathie als strategische Kompetenz verstehen.
Die gesammelten Gedanken und Erfahrungen der Teilnehmenden zeigen: Haltung, Offenheit und Dialogbereitschaft sind keine weichen Faktoren – sie sind die Grundlage einer zukunftsfähigen Unternehmenskultur.
Was wir aus dem Jam mitnehmen
- Wertearbeit braucht Mut. Sie ist nicht bequem – aber notwendig, um Veränderung möglich zu machen. Nicht alles geht auf einmal – aber jeder Schritt zählt.
- Offenheit, Transparenz und Respekt sind zentrale Bausteine einer zukunftsfähigen Kommunikationskultur.
- Zuhören schafft Verbindung. Auch (und gerade) wenn es unbequem wird.
- Vielfalt ist eine Ressource. Organisationen profitieren, wenn sie unterschiedliche Perspektiven bewusst einbinden.
- Empathie ist kein „Nice-to-have“. Sie ist eine strategische Kompetenz – besonders in polarisierten Zeiten.
Deine Perspektiven auf Wertekonflikte
Erfahre hier mehr!
Artikel, Bücher und Podcasts
In diesem spannenden Artikeln, Büchern und Podcasts erfährst du mehr über Wertekonflikte am Arbeitsplatz:
- 3 Ideen zum leichteren Umgang mit Wertekonflikten am Arbeitsplatz
Melanie Berger zeigt auf, wie tiefgründige Überzeugungen im Arbeitsumfeld zu Konflikten führen können – insbesondere dann, wenn Werte aufeinandertreffen. Sie führt drei zentrale Strategien an: Perspektivwechsel und Verständnis fördern, gemeinsame Werte sowie übergeordnete Ziele definieren und den Konflikt auf die Bedürfnisebene bringen. - Konflikte im Team lösen (ibo Gruppe)
Dieser Podcast richtet sich an Führungskräfte und Projektleitende und verhandelt, wie Konflikte im Team entstehen, früh erkannt und konstruktiv angesprochen werden können. - Herzschlag – Für ein gesundes Berufsleben (bgw)
Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (bgw) legt ihren Fokus auf Hierarchien, Generationenunterschiede und strukturbedingte Konflikte, die in vielschichtigen Teams auftreten können. - Arbeitsbezogene Wertekonflikte: Eine häufige Quelle der Unzufriedenheit (LinkedIn)
Hassan Mohsen diskutiert eindrücklich, wie Wertekonflikte am Arbeitsplatz Stress und Unzufriedenheit unter Mitarbeitenden erzeugen können. Er beleuchtet, wie persönliche Werte mit Organisationswerten kollidieren und welche Folgen daraus entstehen, etwa Frustration, Rückzug oder Konflikte im Team. Zudem zeigt der Beitrag auf, wie diese Konflikte erkannt und adressiert werden können. - Konflikte am Arbeitsplatz – wie kann man sie lösen? (Blogpost)
Paulina Kostorz bietet einen umfassenden Überblick über typische Spannungsfelder im beruflichen Alltag: Sie erklärt Ursachen wie unklare Rollen, Zeitdruck oder mangelnde Anerkennung, zeigt Auswirkungen wie Stress und Unzufriedenheit auf und gibt konkrete Handlungsmöglichkeiten zur Konfliktprävention und ‑lösung. - Wertekonflikte: der Stoff, aus dem Alpträume sind (Blogpost)
Melanie Berger zeigt ausführlich auf, wie Wertekonflikte am Arbeitsplatz, etwa durch kulturelle Unterschiede, unterschiedliche Arbeitsethik oder Prioritäten entstehen und warum sie häufig so schwer zu lösen sind. Sie beleuchtet, dass Werte tief in unserer Identität verwurzelt sind, oft nicht bewusst verhandelbar und deshalb Konflikte besonders emotional machen, gleichzeitig bietet der Artikel präventive Strategien wie Werteklärung, kulturelle Sensibilität und Feedbackrunden an. - Konfliktmanagement: Konflikte am Arbeitsplatz lösen! (Podcast)
Dr. Thomas Bachmann erklärt Ursachen und Dynamiken von Konflikten am Arbeitsplatz, wie unterschiedliche Werte, Prioritäten oder Kommunikationsstile. Er zeigt praxisnahe Strategien zur Konfliktlösung, z. B. Deeskalation, konstruktive Gesprächsführung und Moderation, um eine gesunde und produktive Arbeitskultur zu fördern. - Zuhören lernen – wie geht das? (Deutschlandfunk)
Effektives Zuhören ist eine unterschätzte Schlüsselkompetenz – sowohl im beruflichen als auch im gesellschaftlichen Kontext. Hier wird erklärt, dass Zuhören eine aktive Fähigkeit ist, die bewusst trainiert werden kann und deutlich macht, dass fehlendes Zuhören zu Konflikten, Missverständnissen und Vertrauensverlust führen kann.
Handreichungen
Abschließend findest du in diesen Handreichungen praktische Impulse für neue Narrative und Argumentationshilfen:
- Praxistipps: Dos and Don’ts im persönlichen Gespräch (bpb)
Die Bundeszentrale für politische Bildung liefert praxisorientierte Hinweise für persönliche Gespräche – er zeigt klar strukturierte Dos (z. B. Gespräche gezielt vorbereiten, aktiv zuhören) und Don’ts (z. B. Smalltalk abtun, eigene Authentizität verleugnen) auf, um Kommunikation zielgerichteter und wertschätzender zu gestalten. - Gesprächsanker: Für den Umgang mit demokratiefeindlichen und diskriminierenden Äußerungen (Stiftung SPI)
Diese Gesprächsanker helfen, in schwierigen Gesprächssituationen Haltung zu zeigen, Grenzen zu setzen und dennoch gesprächsoffen zu bleiben. Ziel ist es, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen, sondern respektvoll, klar und situativ angemessen auf populistische oder menschenfeindliche Aussagen zu reagieren. - Sieben Strategien für einen erfolgreichen Umgang mit Populismus (Forum Streitkultur)
David Lanius bietet sieben Strategien, um populistischen Parolen im Alltag effektiv zu begegnen und Streitgespräche erfolgreich zu führen
Unser Projekt unterstützen
Unsere Arbeit lebt von vielen: ZUKUNFTS(T)RÄUME ist mehr als ein Projekt – es ist ein gemeinsames Vorhaben. Wir freuen uns über weitere Partnerschaften, Empfehlungen und Unterstützer:innen, die unsere Vision teilen. Du kennst Organisationen, Stiftungen oder Menschen, die gut zu uns passen könnten? Du willst unsere Arbeit weiterempfehlen oder selbst etwas beitragen?
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