Demokratie beginnt mit Beteiligung
In einer Zeit, in der digitale Räume zu den wichtigsten Begegnungsorten unserer Gesellschaft werden, entscheidet sich die Zukunft unserer Demokratie längst nicht mehr nur an Wahlurnen oder in Parlamenten – sondern auch in Timelines, Kommentarspalten und Online‑Communities. Dort, wo wir Informationen teilen, diskutieren, streiten und uns positionieren, entsteht täglich ein Stück demokratische Kultur. Doch genau diese Kultur steht zunehmend unter Druck: Polarisierung nimmt zu, Debatten verhärten sich und der respektvolle Austausch wird durch Lautstärke, Desinformation und schnelle Urteile bedroht.
Bei unserem vierten GermanDream Jam beschäftigen wir uns mit digitaler Demokratie, weil sie unverzichtbar für das demokratische Miteinander von morgen ist. Unsere Gesellschaft braucht Räume, in denen Vielfalt sichtbar wird, Meinungsverschiedenheiten ausgehalten werden können und Austausch nicht spaltet, sondern verbindet. Digitale Plattformen bieten enorme Chancen – sie ermöglichen Beteiligung, Sichtbarkeit, Engagement und Gemeinschaft wie nie zuvor. Gleichzeitig fordern sie uns heraus, neue Formen des Dialogs zu entwickeln, mit denen wir den digitalen Raum nicht den lautesten Stimmen überlassen.
Worum es in diesem Playbook geht
Dieses Playbook lädt dich ein, digitale Räume aus einer demokratischen Perspektive zu betrachten:
- Wie können digitale Orte so gestaltet werden, dass sie Beteiligung, Austausch und Inklusion ermöglichen?
- Welche Verantwortung trägt jede einzelne Person im Netz?
- Wie gehen wir respektvoll miteinander um – auch wenn Meinungen unterschiedlich sind?
Digitale Demokratie ist kein rein technisches Thema. Es geht um Werte, Haltung und um die Frage, wie wir miteinander umgehen, wenn Debatten nicht mehr nur im persönlichen Umfeld, sondern unmittelbar online stattfinden. Denn Demokratie beginnt mit uns – analog wie digital.
Was bedeutet digitale Demokratie?
Digitale Demokratie bedeutet weit mehr, als dass politische Entscheidungen online diskutiert werden. Sie beschreibt, wie wir als Gesellschaft miteinander kommunizieren, Wissen teilen, Meinungen bilden und Entscheidungen beeinflussen – in digitalen Räumen, die sich rasant wandeln. Wo früher Gespräche vor allem in lokalen Vereinen, Nachbarschaften oder über klassische Medien stattfanden, entstehen heute unzählige Plattformen, auf denen politisches Handeln und gesellschaftlicher Austausch alltäglich werden.
Doch diese neue digitale Welt verändert auch, wie Konflikte und Meinungen sichtbar werden. Soziale Medien belohnen Aufmerksamkeit und Emotionen oft stärker als Fakten oder reflektierte Diskussionen. Das kann Polarisierung verstärken – nicht, weil Menschen grundsätzlich unversöhnlicher sind, sondern weil Algorithmen Konflikte sichtbarer, direkter und manchmal auch schärfer machen. Inhalte werden uns gezielt angezeigt, um uns zu fesseln, nicht unbedingt um uns zu informieren.
Hinzu kommt die Rolle von Künstlicher Intelligenz: Sie hilft uns, Informationen zu filtern, Inhalte zu erstellen oder Debatten zu strukturieren. Gleichzeitig entstehen Risiken wie Deepfakes, automatisierte Bots oder extrem personalisierte Fehlinformationen, die Vertrauen untergraben und demokratische Prozesse bedrohen. Es wird immer wichtiger, zwischen echten und manipulierten Inhalten zu unterscheiden, verlässliche Quellen zu erkennen und Verantwortung im digitalen Raum zu übernehmen.
Trotz all dieser Herausforderungen bietet digitale Demokratie enormes Potenzial: Sie kann Menschen verbinden, die sich sonst nie begegnen würden, Beteiligung erleichtern, marginalisierte Stimmen hörbar machen und Innovationen im gesellschaftlichen Miteinander ermöglichen. Die zentrale Frage lautet nicht, ob wir digitale Räume gestalten – sondern wie wir es tun.
Digitale Demokratie ist somit nicht nur ein technisches oder politisches Thema, sondern ein kulturelles: Es geht um Werte, Haltung, Mut und die Bereitschaft, sich in komplexen digitalen Umgebungen einzubringen. Die Zukunft der Demokratie entscheidet sich dort, wo wir posten, kommentieren und scrollen – und dort, wo wir bewusst zuhören, gestalten und Verantwortung übernehmen.
Drei Perspektiven auf digitale Demokratie

- Mehria Ashuftah
Mehria ist in Afghanistan geboren und kam als Kleinkind nach Deutschland, wo ihre Kindheit in einer Flüchtlingsunterkunft begann. Heute arbeitet sie als Rechtsanwältin und Landtagsabgeordnete. Mit ihrem Engagement setzt sie sich für eine offene und vielfältige Gesellschaft ein und betont, wie wichtig Austausch und gemeinsames Lernen für ein starkes Miteinander sind.

- Ziyad Khalaf Farman
Ziyad arbeitet als Journalist und Content Creator. Sein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich aufzubereiten und möglichst vielen Menschen Zugang zu verlässlichen Informationen zu ermöglichen, denn nur gut informierte Menschen können aktiv am gesellschaftspolitischen Diskurs teilnehmen.
„Ich bin dabei, weil Demokratie nur funktioniert, wenn alle mitmachen.“

- Dawud Yildirim
Dawud, 24 Jahre alt und aus Göttingen, studiert derzeit Politikwissenschaft im Master. Er beschäftigt sich in seinem Engagement intensiv mit gesellschaftlichen Themen und politischen Fragestellungen. Dabei liegt sein Fokus darauf, wie gesellschaftliche Solidarität stärker gelebt werden kann. Außerdem setzt er sich damit auseinander, wie wir besser mit Gleichzeitigkeiten umgehen können, ohne dabei unser Empathievermögen zu verlieren.
Deine Perspektiven auf digitale Demokratie
Reflexionsfragen für dein eigenes Medienverhalten
Stelle dir ehrlich und aufrichtig die folgenden Fragen zu deinem Medienverhalten
- Welche Nachrichtenquellen nutze ich regelmäßig – und warum gerade diese?
- Wie oft hinterfrage ich die Inhalte, die mir online begegnen?
- Höre oder lese ich auch Stimmen, mit denen ich nicht übereinstimme?
- Wie reagiere ich auf Beiträge, die mich emotional aufwühlen?
- Teile ich Inhalte spontan – oder prüfe ich sie vorher auf ihren Wahrheitsgehalt?
- Wie stark beeinflusst mein digitales Umfeld meine Meinung zu gesellschaftlichen Themen?
- Wann habe ich das letzte Mal bewusst eine Social-Media-Pause gemacht – und was hat das mit mir gemacht?
- Wie gehe ich mit Falschinformationen oder Hassrede in meinem Umfeld um?
- Welche Verantwortung trage ich in meinem eigenen Medienverhalten für den gesellschaftlichen Zusammenhalt?
Tipps zum Quellenchecken
Stelle dir ehrlich und aufrichtig die folgenden Fragen, wenn du mit verschiedenen Quellen aus dem Internet arbeitest:
- Wer ist der Absender? Ist es eine Journalist:in, eine Redaktion, eine Privatperson oder eine unbekannte Seite? Schau dir das Impressum oder die „Über uns“-Seite an.
- Wird eine Quelle genannt oder belegt? Seriöse Beiträge nennen ihre Herkunft, z. B. Studien, Interviews, Zahlen. Fehlende Quellen sind oft ein Warnsignal.
- Wie wirkt die Sprache? Sehr reißerisch, emotional oder hetzerisch? Dann lieber skeptisch bleiben.
- Gibt es weitere Berichte dazu? Überprüfe, ob andere verlässliche Medien dieselbe Nachricht berichten. Nur eine Quelle? Vorsicht!
- Datum & Kontext prüfen Ist die Info aktuell oder veraltet? Wird sie aus dem Zusammenhang gerissen?
- Bild- und Videocheck Bilder können manipuliert oder aus dem Zusammenhang genommen sein. Eine umgekehrte Bildersuche (z. B. über Google Lens) kann helfen.
- Eigenes Bauchgefühl Wenn etwas „zu krass“ klingt, um wahr zu sein, lohnt sich ein zweiter Blick. Misstrauen ist kein Misstrauen – es ist Medienkompetenz.
Wie du konstruktiv reagieren kannst
In digitalen Räumen begegnen uns täglich Meinungen, Nachrichten und Kommentare – doch nicht alles basiert auf Tatsachen oder bleibt respektvoll im Ton. Hassrede (Hate Speech) und Desinformation sind zwei zentrale Herausforderungen unserer Zeit. Sie können Debatten spalten, verunsichern und Austausch verhindern.
Was du tun kannst:
- Erkennen: Lerne, Hate Speech und Falschnachrichten zu identifizieren. Achte auf Sprache, Quellen und Inhalte.
- Positionieren: Überlege dir, wie du dich verhalten möchtest – ruhig widersprechen, Betroffene unterstützen, Beiträge melden oder ignorieren.
- Schützen: Wenn du selbst betroffen bist, dokumentiere (z. B. mit Screenshots), blockiere Angreifende und hole dir Unterstützung.
- Solidarisch handeln: Stärke Betroffene durch Zuspruch oder teile Gegenrede. Du bist nicht allein!
Hier findest du weitere Informationen:
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